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Latcho Diewes
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BeitragVerfasst: 22.04.2017, 09:04 
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Heute fand ich in Patricia Pientkas Buch über das Zwangslager in Berlin-Mahrzahn einen interessanten Eintrag über einen Lovari namens Jaja Sattler. Wikipedia sagt über ihn:

Jaja Sattler, auch Jaija Sattler bürgerlich Josef Sattler (* 2. Oktober 1902 in Zeitz; † 28. April 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau) war ein deutscher Lovari und protestantischer „Zigeunermissionar“. Er übersetzte als Muttersprachler das Evangelium nach Johannes ins Romanes, was als Pionierarbeit gilt.

Weiterhin sagt es:
Jaja Sattler wurde 1902 als viertes von sieben Kindern der Eheleute Mušurka und Berbek Sattler geboren.[1] Die Familie lebte zusammen mit Berliner Pferdehändlerfamilien der Lovari.[2] 1906 versuchte seine Familie wie viele osteuropäische und inzwischen in Mitteleuropa befindliche Roma-Familien, weiter nach England zu migrieren. Sie wurde zurückgeschickt und wohnte in der Folge in Berlin.[3][4] 1910 lernte John Miskow ihn bei seinem Besuch der Berliner Roma für Sprachstudien als etwa 9-jährigen, wissbegierigen Jungen kennen.[5] Sattler gehörte zu einer Roma-Gruppe, die von der Berliner Stadtmission missioniert wurde.[6][7]

Nach der Schule arbeitete Sattler als Jockey für einen Privatmann.[8] 1925 hatte er ein Bekehrungserlebnis.[9] Von Juli bis September 1927 hielt er sich im Brüderhaus Tabor in Marburg auf.[10][11] 1928 fiel Miskow der Name Jaja Sattler in einem Missionsrundbrief auf, in dem die Aufnahme Sattlers in eine Missionsschule in Bukowinie (Schlesien)[12] vermerkt ist. Er nahm daraufhin brieflichen Kontakt auf.[13] Die Missionsschule gehört zur Mission für Südosteuropa (MSOE). Miskow und Sattler besuchten im weiteren Verlauf gemeinsam verschiedene Romafamilien. 1928 heiratete Sattler die 1905 in Berlin-Köpenick geborene Elise Strauss.[14]

Was im erwähnten Buch hervorgehoben wurde war allerdings dies:
Jaja Sattler übersetzte mit Hilfe von Frieda Zeller-Plinzner auf Grundlage der Lutherbibel das Johannesevangelium in das Romanes der „norddeutschen Zigeuner“. Die Übersetzung erschien 1930 bei der in Berlin ansässigen, 1804[15] gegründeten Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft.

Der anglikanische Pfarrer und Romanes-Linguist Frederick George Ackerley[16][17] rezensierte sie 1931 umfangreich für das Journal of the Gypsy Lore Society, das in der gleichen Ausgabe einen längeren vor allem biographischen Artikel über Jaja Sattler von John Miskow bringt. Ackerley beglückwünschte den Verlag. Er betonte die hohe Qualität, die lebendige Sprache, verwies auf gelungene Neubildungen von theologischen Begriffen und bestätigte auch die theologisch stimmige Übersetzung. Die Arbeit eines Muttersprachlers habe immer zahlreiche Vorteile, insbesondere, was den Umfang des Wortschatzes und sprachliche Feinheiten betreffe. Neben dem großen Lob besteht die Rezension aus zahlreichen Anmerkungen zum Lektorat, das die – in seinen Augen – inkonsistente Neuentwicklung von Romanes als Schriftsprache nicht ausreichend vereinheitlicht habe. Sattler hatte das Romanes nach deutscher Lautbildung verschriftlicht.[18] Ackerley nutzt die Übersetzung 1932 für seine Arbeit A Louvari Vocabulary.[19] Der polnische Tsiganologe und Linguist Tadeusz Pobożniak[20] lobte 1964 die Übersetzung von Sattler als Pionierarbeit.[21]

Im November 1931 erschienen in amerikanischen Tageszeitungen Notizen über seine Missionsarbeit, so in der Pittston Gazette in Pennsylvania[22] oder dem kalifornischem Corona Daily Independent.[23] Auch die Missionary Review of the World meldete das Erscheinen des Buches.[24]

Jaja Sattler verwendete die Übersetzung bei seiner eigenen Missionsarbeit, teilt Miskow mit. Seine Missionstätigkeit, teilweise finanziert von der MSOE, bei der er verschiedene Rastplätze besucht, überschritt die engen Grenzen von Berlin, er reiste bis in die Tschechoslowakei sowie nach Österreich, Ungarn und Bulgarien.


Das es eine Übersetzung des Neuen Testaments in Romanes gibt, wusste ich schon, aber nicht, dass das Johannes Evangelium schon damals übersetzt wurde.


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BeitragVerfasst: 30.07.2017, 10:49 
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Beiträge: 1
Holzinger hat geschrieben:
> Heute fand ich in Patricia Pientkas Buch über das Zwangslager in
> Berlin-Mahrzahn einen interessanten Eintrag über einen Lovari namens Jaja
> Sattler. Wikipedia sagt über ihn:
>
> Jaja Sattler, auch Jaija Sattler bürgerlich Karl Sattler (* 2. Oktober
> 1902 in Zeitz; † 28. April 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau) war ein deutscher
> Lovari und protestantischer „Zigeunermissionar“. Er übersetzte als
> Muttersprachler das Evangelium nach Johannes ins Romanes, was als
> Pionierarbeit gilt.
>
> Weiterhin sagt es:
> Jaja Sattler wurde 1902 als viertes von sieben Kindern der Eheleute Mušurka
> und Berbek Sattler geboren.[1] Die Familie lebte zusammen mit Berliner
> Pferdehändlerfamilien der Lovari.[2] 1906 versuchte seine Familie wie viele
> osteuropäische und inzwischen in Mitteleuropa befindliche Roma-Familien,
> weiter nach England zu migrieren. Sie wurde zurückgeschickt und wohnte in
> der Folge in Berlin.[3][4] 1910 lernte John Miskow ihn bei seinem Besuch
> der Berliner Roma für Sprachstudien als etwa 9-jährigen, wissbegierigen
> Jungen kennen.[5] Sattler gehörte zu einer Roma-Gruppe, die von der
> Berliner Stadtmission missioniert wurde.[6][7]
>
> Nach der Schule arbeitete Sattler als Jockey für einen Privatmann.[8] 1925
> hatte er ein Bekehrungserlebnis.[9] Von Juli bis September 1927 hielt er
> sich im Brüderhaus Tabor in Marburg auf.[10][11] 1928 fiel Miskow der Name
> Jaja Sattler in einem Missionsrundbrief auf, in dem die Aufnahme Sattlers
> in eine Missionsschule in Bukowinie (Schlesien)[12] vermerkt ist. Er nahm
> daraufhin brieflichen Kontakt auf.[13] Die Missionsschule gehört zur
> Mission für Südosteuropa (MSOE). Miskow und Sattler besuchten im weiteren
> Verlauf gemeinsam verschiedene Romafamilien. 1928 heiratete Sattler die
> 1905 in Berlin-Köpenick geborene Elise Strauss.[14]
>
> Was im erwähnten Buch hervorgehoben wurde war allerdings dies:
> Jaja Sattler übersetzte mit Hilfe von Frieda Zeller-Plinzner auf Grundlage
> der Lutherbibel das Johannesevangelium in das Romanes der „norddeutschen
> Zigeuner“. Die Übersetzung erschien 1930 bei der in Berlin ansässigen,
> 1804[15] gegründeten Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft.
>
> Der anglikanische Pfarrer und Romanes-Linguist Frederick George
> Ackerley[16][17] rezensierte sie 1931 umfangreich für das Journal of the
> Gypsy Lore Society, das in der gleichen Ausgabe einen längeren vor allem
> biographischen Artikel über Jaja Sattler von John Miskow bringt. Ackerley
> beglückwünschte den Verlag. Er betonte die hohe Qualität, die lebendige
> Sprache, verwies auf gelungene Neubildungen von theologischen Begriffen und
> bestätigte auch die theologisch stimmige Übersetzung. Die Arbeit eines
> Muttersprachlers habe immer zahlreiche Vorteile, insbesondere, was den
> Umfang des Wortschatzes und sprachliche Feinheiten betreffe. Neben dem
> großen Lob besteht die Rezension aus zahlreichen Anmerkungen zum Lektorat,
> das die – in seinen Augen – inkonsistente Neuentwicklung von Romanes als
> Schriftsprache nicht ausreichend vereinheitlicht habe. Sattler hatte das
> Romanes nach deutscher Lautbildung verschriftlicht.[18] Ackerley nutzt die
> Übersetzung 1932 für seine Arbeit A Louvari Vocabulary.[19] Der polnische
> Tsiganologe und Linguist Tadeusz Pobożniak[20] lobte 1964 die Übersetzung
> von Sattler als Pionierarbeit.[21]
>
> Im November 1931 erschienen in amerikanischen Tageszeitungen Notizen über
> seine Missionsarbeit, so in der Pittston Gazette in Pennsylvania[22] oder
> dem kalifornischem Corona Daily Independent.[23] Auch die Missionary Review
> of the World meldete das Erscheinen des Buches.[24]
>
> Jaja Sattler verwendete die Übersetzung bei seiner eigenen Missionsarbeit,
> teilt Miskow mit. Seine Missionstätigkeit, teilweise finanziert von der
> MSOE, bei der er verschiedene Rastplätze besucht, überschritt die engen
> Grenzen von Berlin, er reiste bis in die Tschechoslowakei sowie nach
> Österreich, Ungarn und Bulgarien.
>
>
> Das es eine Übersetzung des Neuen Testaments in Romanes gibt, wusste ich
> schon, aber nicht, dass das Johannes Evangelium schon damals übersetzt
> wurde.


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