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Latcho Diewes
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 Betreff des Beitrags: Woher kommt der Name "Reinhardt"?
BeitragVerfasst: 12.07.2016, 23:07 
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Ich frage mich schon seit längerem, wie die Sinti eigentlich zu ihren deutsch klingenden Familiennamen kamen. Wer hat ihnen wann die Familiennamen gegeben? Haben sie sich die Namen selbst ausgesucht oder wurde ihnen das einfach irgendwann aufgezwungen?

Besonders interessiert mich dabei der Name "Reinhardt", denn es erscheint mir bei den Sinti der häufigste Familienname zu sein. Oder täuscht dieser Eindruck?

Vor allem interessiert mich, ob die Sinti, die "Reinhardt" heißen, alle gemeinsame Vorfahren haben, denn es fällt ja auf, dass "Reinhardt" immer gleich geschrieben wird. Oder ist auch das eine Täuschung?

Die Bedeutung des Namens "Reinhardt" ist ja wohl relativ klar: https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard
Gemeint ist also einfach ein reines Herz; weder der Rhein noch etwas Hartes.

Grundsätzlich haben sich die Familiennamen in Deutschland wohl erst spät herausgebildet. Erst im 17./18. Jahrhundert führten wohl die meisten Leute einen Nachnamen, und wirklich verpflichtend für alle wurde es wohl erst bei der Einführung der Standesämter im Deutschen Reich im Jahre 1875:
https://de.wikipedia.org/wiki/Familienname


Viele Grüße,
Guido


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BeitragVerfasst: 18.08.2016, 16:49 
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Ok, das ist jetzt reine Spekulation meinerseits:
Die Namen wurden im Laufe der Zeit angenommen, womöglich als Anpassung an die örtlichen Verhältnisse, wie es so oft geschieht im Lauf der Geschichte. Ein Aufzwingen auf Seiten der Obrigkeit ist zwar möglich, aber ich wüsste nicht warum die das interessiert haben sollte vor 1875, vor allem da noch bis in die Neuzeit hinein Leute noch oft mit Kose- und Spitznamen angeredet wurde. Bei Sinti kann es sogar vorgekommen sein, dass ihre bürgerlichen Namen garnicht so oft benutzt wurden. So war Anton (Antoine) La Grave viel häufiger unter seinem Namen Galantho (bzw. Der Große Galantho) bekannt.
Es kann sein, dass alle mit dem Namen Reinhardt mit einander verwandt sind, es kann aber auch sein, dass dieser Name später aus anderen Gründen angenommen wurde. Das beste Beispiel für so ein Phänomen ist der Name "Nguyen" unter Vietnamesen. Das heute so viele von ihnen diesen Namen haben liegt daran, dass seit dem 13. Jh. immer mal wieder Familien diesen Namen angenommen haben, und speziell unter der Ngyuen-Dynastie dies 19. Jh. wurde vielen Familien dieser Name gegeben. Vielleicht geschah unter den Sinti etwas ähnliches geschehen, aber das kann bisher einer mit irgendeiner Gewissheit sagen, da vieles zur Geschichte der Sinti noch im Dunkeln liegt und die Forschung, zumindest gemessen am Maßstab der Forschung generell, gerade erst angefangen hat.

Und ja der Name Reinhardt kommt scheinbar sehr oft vor, aber dass tut der Name Weiß (bzw. Weiss oder Weis) auch und laut einem Buch über Sinti in Ostfriesland waren auch "Wagner" und "Freiwald" mal weit verbreitet. Vielleicht hat die Bedeutung dieser Namen viele angezogen, wer weiß. Allerdings basierend auf den Listen die Ulrich Opfermann in seinem Buch über Sinti im 17. und 18. Jh. im nördlichen Teil des Oberrheinischen Reichskreises und dem rechtsrheinischen Teil des Kurrheinischen Reichskreises (sprich der Raum zwischen Rhein und Rhön, Main und Sieg) war "Reinhardt" nicht die einzige Schreibweise. "Reinhart" und "Reinhard" gab es auch. Andere häufigere Namen in der Liste sind Rosemberger (bzw. Rosenberger) oder generell Namen mit "-berger" am Ende, auch Winterstein, La Croix, La Grave oder Lagrene kamen immer mal wieder vor. Allerdings gab es noch soooo viele andere, z.B. Wieser, Engelmann, Friedrich, Franz, Creutz, Laguare, Landin, Steinbach, Haßler, Luferstein, Keller, Klein etc. etc.


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BeitragVerfasst: 05.04.2018, 11:50 
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Registriert: 05.04.2018, 11:43
Beiträge: 1
Klar ist auch das viele Sintistämme durch Heirat mit Deutschen zu ihren Nachnamen kamen da sich Sinti früher auch viel mit Deutschen verheiratet haben.

Der Name Reinhardt war vor allem in der NS Zeit der weit verbreitetste Name unter Sinti,seinerzeit sprach man von 2000 Sinti in Deutschland die diesen Nachnamen tragen.

Daneben ist dann Weiss,Steinbach,Rose und auch Wagner sehr verbreitet.Träger dieser Namen trifft man nahezu in ganz Deutschland.


Regional gibt es dann zahlreiche Namen die nur in bestimmten Gegenden vorkommen und die selbst Sinti aus anderen Gebieten noch nie gehört haben


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